Gewerbe & Industrie

 

Edmund Kolb Comp.
Die Kolb-Mühle 2004
Die Kolb-Mühle 2004

Die Kolb's

Die reichste Familie in Kleinsanktnikolaus war die Familie Kolb. Sie besaß große landwirtschaftliche Ländereien und Betriebe in der Schweine-, Rinder- und Geflügelmast. Abgerundet wurde das Ganze mit der Zucht von Arbeitspferden. Der größte Betrieb der Familie Kolb war aber ihre große mechanisch betriebene Mühle. Die „Edmund Kolb Comp.“. Ihr Produktionswert lag 1938 bei über 21 Millionen Lei.

Weiter besaß die Familie in Kleinsanktnikolaus auch mehrere Gebäude, in denen Ihre Arbeiter und Tagelöhner wohnten. Der Gebäudekomplex in dem nach dem 2. Weltkrieg die rumänische Schule einzog, war beispielsweise solch ein Haus.

Das Stammhaus der Familie Kolb war das Gebäude links neben der Mühle auf der Großgasse.

Am 10. Januar 1977 wurde dieses Wohnhaus fast vollständig Opfer eines Brandes. Die freiwillige Feuerwehr rettete in ihrem Einsatz mit dem rudimentären von Hand betriebenen Löschfahrzeug, was zu retten war. Es brannte der mit Blech gedeckte Dachstuhl. Es kam auch die Feuerwehr aus Arad zum Einsatz. Ein Löschfahrzeug ohne Leiter, sodass die Feuerwehrleute auf die Bäume vor dem Haus klettern mussten um an den brennenden Dachstuhl zu gelangen.

Die Feuerursache: Die damaligen Bewohner hatten ein Schwein geschlachtet und das Kesselhaus nicht ganz sachgerecht bedient.

Die Mühle

Hätte man sie nicht abgerissen, würde sie heute unter Denkmalschutz stehen. Sie wurde 1861 erbaut und besaß eine Mahlkapazität von ca. 50 t pro Tag. Bis 1927 wurde sie von einer Dampfmaschine angetrieben. War demnach eine richtige „Dampfmühle“. Ab 1927 war ein Dieselmotor für den Antrieb zuständig. Dieser Motor war wohl ein besonderes Beispiel für ein auffällig schönes Industriedesign. Anstatt ihn für die Nachwelt zu bewahren wurde er dem Alteisen zugeführt.

Während des Krieges wurde ununterbrochen mit Hilfe von ca. 10 russischen Kriegsgefangenen produziert. Nach dem Krieg gingen die Mühle sowie alle anderen Güter der Kolb-Familie in den Staatsbesitz über. Anfang der 2010er Jahre kam dann das Ende: Sie wurde vollständig abgerissen.

Man kommt nicht umhin zu fragen, warum solch ein historischer Industriebetrieb mit seiner wunderschönen alten Technik einfach vernichtet wurde. War es simple Ignoranz und Dummheit oder sollte da ein Zeugnis ehemaliger deutscher Präsenz verschwinden?

Die Causa Stromklau

Im Februar 1935 erscheint auf der ersten Seite der Zeitung »Ecoul« (dt. Echo), einer rumänischen Zeitung, ein Artikel über den Müller Edmund Kolb mit folgender Überschrift: »Un multimilionar care nu stie cum s’a furat la intreprinderea sa curent timp de 8 ani«.
Übersetzt: »Ein Multimillionär der nicht weiß wie in seinem Betrieb über 8 Jahre Strom geklaut wurde«.

Im Artikel der Zeitung wird dem (şvab¹) Edmund Kolb aus Kleinsanktnikolaus eine betrügerische Vorgehensweise bei der Anhäufung seines Vermögens vorgeworfen.

Tatsächlich wurde am 2. Januar 1935, bei einer Kontrolle vor Ort, ein illegales Abzapfen des Stromes für den Betrieb der Mühle festgestellt. Die Stromkabel waren wohl so angeschlossen, dass der Verbrauch nicht über den Stromzähler ging.

Konfrontiert mit dem Sachverhalt, bekannte sich Edmund Kolb vor den Vertretern der Gemeinde und der Stromfirma für schuldig. Auch akzeptierte er eine Nachzahlung für den Mehrverbrauch an Strom, in den letzten 8 Jahren, in Höhe von 1 Million Lei.

Tags darauf, reicht Edmund Kolb bei der Jandarmerie eine Klage gegen Unbekannt, wegen des illegalen Stromabzapfens ein.

Wie dieser Streitfall ausging ist uns leider nicht bekannt. Aus heutiger Sicht und in Unkenntnis der Fakten ist das ein sehr ungewöhnlicher Vorfall.

Es bleiben wohl für immer bestimmte Fragen unbeantwortet:

  1. Wenn es wahr ist, wie konnte das einem so erfolgreichen Geschäftsmann passieren?
    War es der große wirtschaftliche Erfolg der zu Größenwahn und Unvorsichtigkeit führte? Acht Jahre illegal Strom benutzen, da kann es kein gutes Ende geben.
  2. Wenn es nicht wahr ist, wurde, von wem auch immer, mit subversiven Mitteln versucht, den Erfolg eines Geschäftsmannes zu brechen.
    Gründe dafür gab es Mitte der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts zuhauf. Es war die Zeit des aufstrebenden Proletariats, des Kommunismus. Edmund Kolb muss aus deren Sicht ein blutsaugender Kapitalist gewesen sein. Es war aber auch die Zeit des Erstarkens des rumänischen Nationalismus. War Edmund Kolb, als Deutscher etwa zu erfolgreich?

Drei Jahre später, stirbt Edmund Kolb im Alter von 57 Jahren.

Der letzte Kolb, Sohn Eugen Kolb, wird in den 50er Jahren, von Augenzeugen als verarmt und verwahrlost beschrieben. Später kämpft er in Deutschland um den finanziellen Ausgleich der in Rumänien verlorenen Güter.

 

Das Familiengrab 2017
Das Familiengrab 2017

Die letze Ruhestädte

Auf dem Neuarader Friedhof, in der Reihe "C6", das ist relativ weit hinten Richtung Kalvarienberg, findet sich das Familiengrab der Kolbs. Ein schwarzer Obelisk, umringt von einem schmiedeeisernen Zaun, reckt sich zum Himmel und gibt die Namen der Toten preis.

 



Die Familie

Darstellung der männlichen Linie.

Die letzten Kolbs:
Gabrielle, Barbara Kolb

* 23. April 1912
† 23. Februar 1927
(Im Gedenken an ihrer früh verstorbenen Tochter, übernahm die Familie die Kosten für die Erstellung des Hochaltars in der 1938 erbauten St. Josef Kirche in Kleinsanktnikolaus.)

Eugen, Johann Kolb (Mundi)
* 9. August 1914
† ?
Verheiratet: ?

Die erfolgreichen Kolbs
Edmund, Franz KOLB
* 8. Juni 1881 in Siegmundhausen, Hausnr. 871.
† 2. Oktober 1938
Verheiratet: 6. Februar 1911 mit Katharina Wohlfahrt

Katharina Kolb geb. Wohlfahrt
* 8. April 1888 in Schöndorf
† 11. November 1944

Die Eltern von Edmund Kolb
Valentin Kolb
* 30. Januar 1849 in Siegmundhausen
† ?
Verheiratet: 20. August 1874 mit Barbara Schmalzbauer

Barbara Kolb geb. Schmalzbauer
* 21. Oktober 1851
† ?

Die Großeltern von Edmund Kolb
Johann Kolb
* 19. August 1807 in Neu-Arad
† ?
Verheiratet: 28. Januar 1836 mit Anna Blum

Anna Kolb geb. Blum
* 16. Mai 1812 in Neu-Arad
† ?

Die Urgroßeltern von Edmund Kolb
Johann Kolb
und Katharina

 

¹ Rumänische Bezeichnung für Schwaben. Wurde i.d.R. als abfällige, geringschätzige Variante in der Bezeichnung der Deutschen benutzt.

Quellennachweis:
Sânicolaul Mic aşezarea cu cinci cimitire - Vasile Motocea
Neuarader Heimatbuch von Dr. Anton Peter Petri
Gazeta Timpolis, Stiri din Timisoara

Likörfabrik COCTY
Etikett mit dem Firmenlogo COCTY
Etikett mit dem Firmenlogo COCTY

Geschichte der Firma COCTY

Weiss Johann, geb. 1897 in Kleinsanktnikolaus, war mit Vater Weiss Josef (sen.) und Bruder Weiss Josef (jun.) auf Seite der österreichischen Armee im 1. Weltkrieg. An der italienischen Front in den Südtiroler Dolomiten, fielen Vater und Bruder. Johann Weiss kam, am Arm schwer verwundet, aus dem Krieg zurück.

Eine kleine Mühle (Schrotmiehl) war sein erstes Gewerbe im heimatlichen Haus in der 1. Gasse. Wegen seiner Kriegsverletzung musste aber eine physisch schonendere Arbeit her. Diese fand er im Einkauf bei der Spirituosenfabrik (Spiritusfabrik) des Baron Neumann in Gai (Stadtteil von Arad) und später in der Spirituosenfabrik GAMMER & BÖHM in Neuarad die auf dem Gelände der Bierbrauerei (Bierfabrik) angesiedelt war.

Mit dem erworbenen Wissen aus der Spirituosenfabrik gründete er im Jahre 1935 seine eigene Firma zur Spirituosenherstellung unter dem Namen COCTY.

Etikett von GAMMER & BÖHM
Etikett von GAMMER & BÖHM

Während die Produktion im elterlichen Haus in der 1. Gasse untergebracht war, war das Warenlager der Firma in Neuarad auf der Großgasse unweit der Metzgerei Becker, in Richtung Arad zu finden.

Da der Grad der maschinellen Automatisierung damals noch nicht sehr hoch war, bedurfte es vieler fleißiger Hände um die diversen Arbeiten zu bewältigen. Da physische Arbeit damals noch kein Makel war, standen viele Frauen aus Kleinsanktnikolaus und Neuarad beim alten Weiss in Lohn und Brot.

Mit dem Siegeszug des Kommunismus kam 1948 die große Enteignung der
»gierigen Ausbeuterklasse«, in deren Gefolge auch die kleine Likörfabrik ihren Besitzer wechselte.
Da der Staat, als neuer Besitzer, den Laden nicht mehr weiterführte, war das das Ende dieser kleinen Firma.

Jahre später, 1957, bekam die Familie Weiss ihr Elternhaus in der 1. Gasse wieder zurück.

Die Etiketten für die diversen Produkte wurden von Toda Albert (Albi) in der 2. Gasse entworfen und in Arad in der Druckerei Piller gedruckt. Weitere Etiketten anschauen

Weiss Johann 1930
Weiss Johann - 1930

Der Inhaber

Weiss Johann
* 1897 † 1975
1. Gasse 36
Kleinsanktnikolaus

Produktpräsentation - Schmidt Theresia
Produktpräsentation - Schmidt Theresia

Produktpräsentation

Schmidt Theresia (Resi) verh. Karwath

Produktpräsentation
Produktpräsentation

Produktpräsentation

Vlnr: Kandler Marischka verh. Schwartz, Schmidt Resi, Schwartz Helen verh. Becker

Produktpräsentation
Produktpräsentation - 1944

Produktpräsentation

Lt. Etikett sind das Likörflaschen